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Sein oder Nichtsein, ein Theaterbesuch in Bochum

Fr 30 Okt. 09 # Permalink

Stadttheater Bochum, der VorhangGestern waren Steffi, ein Freund und ich im Schauspielhaus Bochum zu Besuch. Es wurde das Stück “Sein oder Nichtsein” von Henner Kallmeyer aufgeführt, wobei hier nicht das klassische Bühnenstück von William Shakespeare gemeint ist. Es handelt sich vielmehr um eine interessante Inszenierung des Textes “Noch ist Polen nicht verloren”, den Melchior Lengyel für seinen Freund Ernst Lubitsch schrieb, der diese Komödie 1942 verfilmte.

Der Inhalt des Stückes (Quelle: Wikipedia)

Das Stück spielt in Warschau, 1939. Die polnischen Schauspieler eines Theaters proben eine antifaschistische Komödie, kurz bevor der Zweite Weltkrieg ausbricht. Da die polnische Regierung nicht in Konflikt mit dem Hitlerregime geraten möchte, wird das Stück vom Spielplan abgesetzt. Stattdessen spielt das Ensemble Hamlet mit Joseph Tura in der Titelrolle. Während des Hamletmonologes Sein oder Nichtsein hat die Ehefrau des Hauptdarstellers Maria Tura in ihrer Garderobe ein Rendezvous mit dem jungen Fliegerleutnant Stanislaw Sobinski. Zum Entsetzen des Schauspielers Tura steht der junge Offizier während des Monologes aus dem Zuschauerraum auf und geht hinaus, was der selbstverliebte Tura natürlich als Respektlosigkeit gegenüber der Schauspielkunst ansieht.

Während einer der Aufführungen bricht der Zweite Weltkrieg aus und Warschau wird bombardiert. Sobinski kommt nach England und fliegt in einer polnischen Squadron der Royal Air Force. Der polnische Professor Siletsky gibt im Kreise der jungen polnischen Flieger bekannt, dass er in geheimer Mission in das besetzte Warschau reisen werde. Sobinski übergibt ihm eine Nachricht für die geliebte Maria Tura, doch macht es ihn stutzig, dass Siletsky die berühmteste Schauspielerin Warschaus gar nicht kennt, obwohl er angibt, in Warschau gelebt zu haben. Er berichtet davon seinen Vorgesetzten und es wird klar, dass Siletsky ein Doppelagent sein muss. Da Siletsky zahlreiche Adressen von polnischen Untergrundkämpfern erhalten hat, wird Sobinski damit beauftragt, nach Warschau zu fliegen.

Professor Siletsky ist mittlerweile in Warschau angekommen und steigt im Hotel Europejski ab. Er soll sich mit dem Gestapochef Gruppenführer Ehrhardt treffen, um die Namen der Untergrundkämpfer weiterzugeben. Um dies zu verhindern, schlüpft das Ensemble des Theaters in die Rollen der deutschen Besatzer. Es beginnt eine Verwechslungskomödie voller Wort- und Spielwitz. Aus der abgesetzten Antinazi-Komödie wird ein Spiel auf Leben und Tod.

Die Inszenierung

Die Handlung klingt nun erstmal ein wenig trocken, aber am Theater kommt es auf die Inszenierung eines Stückes an, und die kann ich ruhigen Gewissens als wunderbar bezeichnen. Kallmeyer hat es geschafft ein Stück zu inszenieren, dass in meinen Augen mehr ist, als nur eine Komödie, was auch durch die interessant gestaltete Bühne ermöglicht wird.

Das erste, was der Zuschauer von der Bühne zu sehen bekommt, ist ein sehr traditioneller Aufbau: Eine Wand mit Türen und Balkon, ein Tisch, ein Stuhl, mehr braucht es nicht. Interessant wird der Aufbau aber dadurch, das er drehbar ist und so ein ständig ins Stück integrierter “Blick hinter die Kulissen” möglich wird. Während der Aufführung wird dies auch für mehrere Zwischensequenzen genutzt, die während mehrerer schneller Drehungen der Bühne interessante Einblicke in die Charaktere und den Verlauf der Handlung geben.

Der Drehteller bringt zudem viel Tempo in die Aufführung, da geht ständig einer der Darsteller durch eine Tür, ein anderer kommt herein, um kurz darauf wieder durch eine andere Tür zu verschwinden. Der Wechsel der Ansicht von “auf der Bühne” zu “hinter den Kulissen” bestimmt das erste Drittel der Aufführung und ist ein interessantes Spiel mit dem Theater an sich. Später wird der Bühnenaufbau auch noch dazu genutzt, die Handlung in verschiedene Räumlichkeiten zu verlagern, was sehr gut gelingt. Auch Ton und Musik passen gut und sind fein abgestimmt.

Mein Fazit

Ein großartiges Stück, unterhaltsam, temporeich, witzig, charmant, wenn gewünscht auch tiefsinnig und zusätzlich mit einer angenehmen Spannungskurve versehen. Die Darsteller sind gefällig, das Gesamtbild rund. Ein Maßstab für zeitgenössische Nazi-Komik, zu sehen am Stadttheater Bochum. Die rund 18 € für die Karte in Reihe 9 haben sich gelohnt.

In diesem Sinne: Heil Hamlet!

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