Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich mich auf der Landesliste als Bewerber eintragen soll, oder nicht. Es war natürlich eine Entscheidung, die auch von den Gesprächen mit meiner Frau abhängig war, denn auch, wenn ich mir keine große Hoffnung mache auf den Listenplätzen weit vorne zu landen – die zumindest theoretische Möglichkeit besteht, dass sich unser Leben verändern könnte. Da mich meine Frau mich voll unterstützt, habe ich mich dann letztendlich für eine Bewerbung entschieden. Meine Natur war schon immer, dass ich wichtige Dinge nach einer klaren Entscheidung auch angehe und bis zum Ende durchziehe.
Als ich 2009 zu den Piraten gestoßen bin, wir gemeinsam im Märkischen Kreis unseren ersten Stammtisch und die erste Crew gegründet haben, im Folgejahr einen anstrengenden Wahlkampf geführt haben, sind unsere Kreisaktivitäten ein wenig eingeschlafen. Mich hat die Wahl 2010 schon ziemlich deprimiert, ich hatte mir einfach mehr erhofft. Nach der Berlin-Wahl war dann plötzlich alles anders: Die Presse meldete sich wieder, lud mich sogar zu einer Podiumsdiskussion ein und es gab wieder rege Kontakte. Der Stammtisch wurde wiederbelebt und es kamen mehrere neue Piraten dazu. Auch meine Motivation ist dadurch wieder gestiegen.
Dann kam im letzten Jahr leider noch etwas sehr unerfreuliches hinzu: Eine alleinerziehende Freundin ist plötzlich verstorben und hinterließ 4 Kinder. Drei der Kinder haben meine Frau und ich zusätzlich zu unseren drei (Patchwork-)Kindern als Pflegekinder aufgenommen. Und ich will ehrlich sein: Dieses Großprojekt hatte einfach erstmal Priorität. Wir mussten in ein großes Haus umziehen, das wir komplett renovieren mussten, meine Frau hat parallel dazu noch die Wohnung unserer Freundin ausgeräumt, ich war ja “nebenbei” voll berufstätig, dazu kamen unzählige Termine beim Jugendamt, bei der Trauerbegleitung, und und und, ich denke mehr brauche ich dazu nicht zu schreiben. Es war anstrengend und vieles im Umbruch.
Aber es hatte auch positive Aspekte. Das sehe ich aber erst jetzt, wo die Phase des Umbruchs abgeschlossen ist: Ich habe letztes Jahr enorm viel an Lebenserfahrung dazu gewonnen – auch wenn sich meine Lebenserwartung wohl um einige Jahre verringert hat ;-). Ich habe große Verantwortung übernommen und ich habe mich dieser Verantwortung gestellt, was zu Beginn unseres Großfamilienprojekts nicht immer einfach war, weil ich nicht immer wusste, welche Erwartungen an meine Rolle gestellt werden. Dies hat sich seit Januar verändert. Ich bin in der Rolle angekommen.
Das Jahr hat sich auch auf meine politische Motivation ausgewirkt. Ich will auch politische Verantwortung tragen, dazu bin ich bereit. Mich wird nichts mehr so schnell vom Hocker hauen. Ich bin gelassener geworden, aber auch direkter, straighter. Auch wenn ich dafür einen sehr guten Job – den ich wirklich gerne und aktuell sogar ein tolles Projekt mache – für fünf Jahre an den Nagel hängen müsste, ein Transportmittel für piratige Werte in das Landesparlament zu sein, wäre mir wichtiger.
Hinzu kommt, dass ich mir persönlich eine Vertretung im Parlament wünsche, die eine gewisse Lebenserfahrung mitbringt. Damit möchte ich junge Menschen nicht die Qualifikation absprechen, im Gegenteil, auch junge Menschen können Lebenserfahrung mitbringen – jeder Mensch entwickelt sich da unterschiedlich. Es ist keine Frage des Alters. Ich bin gespannt, wer sich nächstes Wochenende so vorstellt, auch im Wiki lese ich interessiert mit, beantworte brav die Fragen, die gestellt werden, die Spannung steigt.
Wir werden sehen…
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