Ich mag es ein Programmierer zu sein, als Elektronen-Architekt an der digitalen Welt mitzubauen und im Metaverse meine Spuren zu hinterlassen. Ob es nun Text-Beiträge in meinen Blog sind, Plugins für WordPress, Code-Spielereien, oder eGovernment Web-Applikationen, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Es ist spannend die Entwicklung neuer Technologien zu beobachten und diese in seine eigene Arbeit einfließen zu lassen, permanent gefordert zu sein sich selbst Neues anzueignen, um die Weiterentwicklung mit zu gestalten. Das kommt meinem Geist sehr entgegen, der wissbegierig und neugierig und schnell gelangweilt ist, wenn er nicht beschäftigt wird. Zwar gibt es auch Phasen, in der er sich gerne der sinnlosen Zeitverschwendung widmet, aber selbst diese wird mit Herausforderungen ausgestaltet.
Trotzdem ist mein Berufsleben nicht immer befriedigend, denn alles Digitale unterliegt einem grundsätzlichen Problem. Digitale Informationen sind uns nah und zugleich physikalisch entfremdet, sie sind nicht greifbar und trotzdem da – immateriell. Wenn ich Schreiner wäre, oder Architekt, hätte mein Schaffen einen realen Höhepunkt indem am Ende etwas vor mit steht, dass ich berühren und erfühlen kann. Andere Menschen könnten den Stuhl oder das Haus sehen und nachvollziehen, wie es gefertigt wurde.
Die Schönheit von Software hingegen ist nur für diejenigen begreifbar, die ebenfalls Software schreiben. Da im Arbeitsleben selbst wir Programmierer hin und wieder ein Schulterklopfen brauchen – auch wir haben ein mehr oder minder ausgeprägtes Geltungsbedürfnis – kann dies praktisch nur von anderen Wissenden erfolgen. Vielleicht gibt es deswegen viele Blogs zu diesem Thema. Natürlich kann der Kunde sagen, dass ein bestimmtes Detail einer Anwendung schön gelöst ist, aber das ist etwas anderes, denn der Kunde versteht nicht, wie genial das in einer wunderschönen Funktion im Source-Code umgesetzt wurde. Code is poetry – aber eben nur für Programmierer. Für alle Außenstehenden, nicht Wissenden stellt Quellcode ein unverständliches Kauderwelsch dar.
Vielleicht schraube ich deswegen so gerne an Motorrädern herum. Das Ergebnis ist real. Aber was ist schon real…?

Anfangs fand ich den Gedanken interessant, dass alles was ich zum Arbeiten brauche, einen MacBook und mein Verstand ist. Egal wo ich mich befand – Arbeiten war so effektiv möglich. Und meiner Konstruktionsleidenschaft wurde so Rechnung getragen – denn ich mag das ingenieursmäßige entwerfen und entwickeln von Dingen.
Später dann empfand ich es teilweise schon als etwas bizarr, dass das was ich tue (oberflächlich gesehen) eigentlich nichts anderes ist, als magnetische Bereiche auf kleinen Scheiben zu erzeugen. Und dass ich dabei teilweise mehrere Stunden wie starr mit einem fixierten Blick auf einem Stuhl sitze und meinem Körper so ziemlich alles zumute, was eigentlich nicht „im Sinne des Erfinders“ ist. Mir kam dann auch der gleiche Gedanke… wo ist die Beständigkeit? Was erschaffe ich eigentlich, was auch von Dauer ist? Sowie ein Maler oder Bildhauer. Dinge, die noch da sind, wenn ich vielleicht mal nicht mehr bin. Software ist ja nicht einmal konkret physisch manifestiert. Da mir diese Beständigkeit aber fehlte, brauchte ich einen Ausgleich. Etwas ehrliches, handfestes. Etwas, woran man Ergebnisse direkt sieht. Und wofür man auch mal Lob bekommt. Auch von fachfremden Mitmenschen. Diesen Ausgleich habe ich im Motorradschrauben gefunden und genau das sind die Gründe, warum ich so gerne an Motorrädern schraube.
Es freut mich, dass es nicht nur mir so geht und das meine Gedanken offensichtlich nachvollziehbar sind. :-)